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76. Blogbeitrag
In unserer Familie haben wir nicht nur Hunde- sondern auch Katzenliebhabende. Höchste Zeit, auch mal den Kater meines Bruders zu erwähnen namens Pepe. Er zählt zur Rasse der British Shorthair. Die Rassebeschreibung passt perfekt zu Pepe: Er ist ein sehr ausgeglichener, verschmuster und entspannter Kater. Pepe lebt bei meinem Bruder und wenn ich die beiden besuchen gehe, freue ich mich immer auf einige Spiel- und Streicheleinheiten mit dem geschickten Stubentiger. Was mich an Hunden wie auch an Katzen gleichermassen fasziniert ist, dass beide immer im Moment leben und mich auch immer wieder in den Moment zurückholen mit ihrer liebevollen und verspielten Art. Bestimmt kennst du die Debatte darüber, dass Hunde- und Katzenliebhabende womöglich ganz unterschiedlich ticken könnten. Ich weiss nicht so recht. Auch die Wissenschaftler scheinen bereits seit Jahrzehnten erfolglos darüber zu forschen. In einem Spektrum.de-Beitrag wird ein möglicher Grund genannt: Ein Team um den Psychologen Samuel Gosling von der University of Texas in Austin vermutet, dass zahlreiche methodische Probleme zu der unklaren Studienlage beigetragen haben könnten. Insgesamt deuten die neueren Studien dennoch darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen unserer Persönlichkeit und der Vorliebe für ein ganz spezielles Tier zumindest nicht unwahrscheinlich ist. Wie dieser Zusammenhang genau aussehen könnte, ist jedoch nicht abschliessend geklärt. Es gäbe auch genügend Tierhaltende beider Arten zugleich :-). Eigentlich interessiert mich weniger, ob und weshalb Hunde- und Katzenliebhabende womöglich ganz unterschiedlich ticken könnten, sollten, wollten oder auch nicht. Und ehrlich gesagt frag ich mich, ob wirklich jedes Thema erforscht werden kann oder soll (1). Mein Bruder und ich verstehen uns jedenfalls blendend und ticken in vielen Dingen recht ähnlich. Gut so. (1) Hinweis: Dieser Beitrag ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu lesen. Die Welt braucht Wissenschaft und Forschung. Die Grundlagenforschung sowie angewandte Forschung und Entwicklung sind unabdingbar und unverzichtbar. Mir gefällt die Innovationskraft, die dahinter steckt. Und mir gefällt speziell der Gedanke, dass dadurch auch Probleme der Vergangenheit und der Gegenwart verstanden werden können, um sie zukünftig möglichst zu vermeiden oder zu meistern. Ab und dann gelingt das sogar, aber leider nicht immer! Lust auf mehr Infos, weshalb womöglich die Forschung immer seltener zu grossen Errungenschaften führt? Dann empfehle dir die Lektüre eines interessanten Tages Anzeiger Artikels mit dem Titel: "Schwindet die Erfindungskraft der Menschheit?"
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75. Blogbeitrag
Ich liebte es als Kind, Schneemänner zu bauen. Und ich liebe es noch heute. Aber wahrscheinlich bleibe ich auch dieses Jahr die Einzige in meinem Umfeld, die das tut. Weshalb hören viele Erwachsene auf, Schneemänner zu bauen? Natürlich unterscheiden wir uns von Kindern durch unsere Lebenserfahrung, unserem Entwicklungsstand und den vielen Verantwortlichkeiten in unserem Leben. Aber weshalb hindert uns das daran, etwas spielerischer durch den Alltag zu tänzeln? Vermutlich liegt es auch daran, dass wir uns als Erwachsene an die Anforderungen des Erwachsenenlebens anpassen müssen. Wir fokussieren uns auf Karriere, finanzielle Stabilität und die Erfüllung unserer Verpflichtungen. Als Erwachsene muss man immer mehr Verantwortung und Pflichten übernehmen und man passt sich automatisch an soziale Normen und Erwartungen an. Dies birgt das Risiko mit sich, dass wir unsere kindliche Neugierde, Kreativität und Spontanität vernachlässigen. Darüber hinaus spielen womöglich auch gesellschaftliche Einflüsse eine Rolle. Die Gesellschaft erwartet von uns Erwachsenen oft, dass wir uns ernsthaft und verantwortungsbewusst verhalten. Auch das kann auch leider dazu führen, dass wir unsere kindliche Seite unterdrücken oder als unwichtig betrachten. Vielleicht aber werden wir auch einfach zu bequem mit fortschreitendem Alter. Vielleicht sparen wir bewusst unsere Ressourcen. Vielleicht. Vielleicht. Es gibt tausend Gründe, keinen Schneemann zu bauen. Man sollte sich das auch nicht erst überlegen oder gar analysieren, sondern es einfach tun! Nicht denken, wissen! (1) Was wissen, fragst du? Nun: Ich weiss einfach, dass das Bewahren einiger kindlicher Attribute uns hilft, ein erfüllteres und glücklicheres Leben zu führen. Indem wir unsere kindliche Neugierde, Kreativität und Spielfreude bewahren, können wir ganz wunderbar Stress abbauen, unsere Beziehungen stärken und unsere Lebensfreude steigern. Es geht natürlich auch darum, eine Balance zu finden und die positiven Aspekte der Kindheit in unser Erwachsenenleben zu integrieren. Und noch etwas weiss ich schon seit jeher: Schneemänner zu kreieren macht einfach Spass. Versprochen! Darum lautet meine Empfehlung heute: Geht raus und baut euch einen Schneemann. Selbst wenn es nur auf dem heimischen Balkon ist. Ich arbeite heute, darum steht meine Kreation auf meinem Balkon und beobachtet mich seither beim Arbeiten. Ist er nicht süss geworden? Wer mag mir eine weitere Schnee-Eigenkreation zu senden? Nicht zögern, machs einfach! (1) Dieses Zitat stammt von Morpheus aus dem tollen Film « Matrix». Es geht um die Suche nach der Wahrheit und dem Streben nach Erkenntnis. Manchmal weiss man etwas, ohne es erklären zu können. Besonders Immanuel Kant beschäftigte sich mit den vier Fragen: „Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Dazu schreibe ich ein anderes Mal einen spannenden Beitrag. 74. Blogbeitrag
Wartest du auch so gerne im Wartezimmer auf deinen Zahnarztbesuch ? Nein? Dann ist dieser Blogbeitrag wie geschaffen für dich! Der Gang zum Zahnarzt treten Viele bei ersten Beschwerden an. Doch selbst die saubersten Beisserchen benötigen dentalhygienische Pflege. Somit ist es ein notwendiges Übel. Warum das Unvermeidbare nicht grad für etwas Sinnvolles nutzen? Als ich letzthin beim Zahnarzt ins Wartezimmer gebeten wurde, ergatterte ich mir den letzten freien Platz und betrachtete die wartenden Mitleidenden: Eine Dame kaute nervös an ihren Lippen rum und ein anderer Herr starrte stoisch auf den Fussboden. Der meiste Anblick bot sich mir aber mit kollektiv Surfenden auf ihren Handys. Letztendlich wartet man gemeinsam auf einen eher unangenehmen Termin, das böte Diskussionsstoff. Doch jemanden beim Googeln zu stören, ist unanständig. Ja, leider zücken die Meisten nach einigen Minuten ihr geliebtes Handy. Daran ist ja auch nichts falsch. Aber es gäbe Spannenderes zu erleben: Man könnte sich die Zeit nehmen, die wunderbar geduldsamen Pflanzen im Zimmer innig zu betrachten, deren faszinierenden Blätter zu zählen (und dabei bitte nicht einschlafen). Oder man geniesst achtsames Atmen (siehe Blogbeitrag 55) oder freut sich über die gewonnene Pause mit schönen Gedanken. Egal, für welche Beschäftigung du dich entscheidest, das genussvolle Warten scheint die Zeit zu verlangsamen - zumindest für unsere Wahrnehmung. Das ist durchaus positiv, denn ich habe es auch gar nicht so eilig mit den bevorstehenden Zahnarztmeeting. Ich gäbe den anderen Wartenden sogar den Vortritt :-). Wenn man bedenkt, wie wir durch unser Leben hasten, könnten wir dankbar sein für solche Pausen: Wenn man der Handyverlockung widerstehen kann, kann man diese Wartezeit für wunderbare achtsame Momente nutzen. Gemeinsam mit den Wartenden oder für sich alleine. Einfach einmal entschleunigen und durchatmen! Der nächste Grad wäre dann das Achtsamkeitstraining während eines Zahnarztbesuchs. Aber ich schaffs bisher nur, mich mit den notwenigen Schmerzen während der Behandlung anzufreunden und mir unentwegt zu versichern, dass das jetzt nötig sei und es mir danach besser gehe. Und siehe da: Die Schmerzen sind tatsächlicher erträglicher. Und dennoch: Während der Zahnarztbehandlung wünschte ich mir sehnlichst, dass die Zeit etwas schneller verginge (im Gegensatz zum Warten im Wartezimmer). Aber nicht zur die Zeitempfindung per se, sondern auch Zeit ist ein ganz spezielles Thema für sich. Wenn dich das interessiert, dann lies meinen 37. Blogbeitrag. Und sonst wünsch ich dir für die Wartezeit auf deinen nächsten Zahnarzttermin entspannende Entschleunigungsmomente pur, ganz viele schöne Gespräche und/oder guten Gedanken. 73. Blogbeitrag
«Liebe ist die Fähigkeit, den anderen so zu sehen, wie er wirklich ist, ohne ihn verändern zu wollen.». Mir gefällt es, wie der Achtsamkeitsmönch Thich Nhat Hanh (Thay) die Liebe in Worte fasst. Er betont die Bedeutung bedingungsloser Liebe und Akzeptanz für andere Menschen, ohne den Wunsch, sie zu verändern oder anzupassen. Es ermutigt uns, Mitgefühl und Verständnis zu kultivieren und die Einzigartigkeit jedes Individuums anzuerkennen. Ist es nicht wunderbar, dass wir Liebe als Gefühl der Zuneigung, Hingabe und Verbundenheit teilen können. Verbunden mit Respekt, Ehrlichkeit und blindem Vertrauen. Geprägt von gegenseitigem Wachstum und Wertschätzung. Liebe ist aber auch emotional herausfordernd, anfällig für Missverständnisse und wird nicht selten Opfer vom Alltag und Bequemlichkeiten. Was kann man tun, um seinem geliebten Menschen gegenüber mehr Liebe zeigen zu können? Thay nennt bei seinem Interview (1) bei Opra Winfrey vier praktikable Liebesbezeugungen, die ich gerne mit dir teilen möchte: 1. "Schatz, ich bin für dich da" Präsenz und volle Aufmerksamkeit dem geliebten Menschen gegenüber ist (nicht nur sich selber gegenüber) eines der wertvollsten Geschenke. Thay stellt die provokative These in den Raum, dass Liebe ohne Präsenz nicht möglich ist. Das macht Sinn. Auch ohne entsprechendes Gegenüber. Aufrichtig zu sagen, dass man für den geliebten Menschen (oder für sich alleine) ganz bewusst da ist, ist ein wunderbarer Liebesbeweis. Weder störende Geister der Vergangenheit noch Ängste der Zukunft im Kopf: Das Hier und Jetzt jemandem zu schenken bedarf einer gewissen Übung, aber es lohnt sich! 2. "Schatz, ich weiss dass du da bist und das macht mich glücklich" Die Präsenz des Gegenübers zu erkennen ist etwas Kostbares. Man umarmt den geliebten Menschen liebevoll mit Achtsamkeit. Geliebt zu werden kann auch einfach bedeuten, in der Existenz erkannt zu werden. Man muss sich nicht einmal gegenüberstehen: Ein Telefonanruf genügt, um Liebe zu verbreiten! Jederzeit und überall! Die dritte Liebesbezeugung kommt zur Anwendung, wenn der geliebte Mensch leidet: 3. "Schatz, ich weiss dass du leidest. Deswegen bin ich für dich da" Bevor man zu helfen beginnt, kann die volle Aufmerksamkeit bereits Linderung bringen. Danach kann mitfühlendes Zuhören wahre Wunder bewirken. Wie das funktioniert, habe ich im Blogbeitrag 68 beschrieben. Es kann das Leiden deines Gegenübers sofort mildern. Die vierte Liebesbezeugung kann eingesetzt werden, wenn du selber leidest und vermutest, dass dein Gegenüber involviert ist. Viele ziehen sich dann zurück voller Schmerz. Viele wollen das Gegenüber bestrafen für das Leiden. Die vierte Liebesbezeugung handelt davon, diesem Rachegedanken zu widerstehen! Ja, das ist wirklich nicht einfach! 4. "Schatz, ich leide. Ich gebe mein Bestes und arbeite daran. Hilf mir dabei!" Natürlich ist das nur möglich, wenn das Gegenüber auch bereit ist, dir zuzuhören. Ich kann mir gut vorstellen, dass man nach einer Verletzung zuerst zu sich zurückkommen muss. Bei erhitzten Gemütern wird dieser Satz nicht seine volle Wirkung entfalten. Man muss ihn ernst meinen. Und das kann auch bedeuten, eine Nacht darüber zu schlafen. Mir kommt noch spontan in den Sinn, dass eine ernstgemeinte Entschuldigung auch vieles entschärfen kann. Auch die Magie einer einfachen Umarmung kann wahre Wunder bewirken :-). Kennst du weitere liebevolle Liebesbezeugungen aus deiner Erfahrung? (1) Im englischsprachigem Videoausschnitt bezeichnet Thay diese vier Beweise als Mantras. Das ist mir zu esoterisch angehaftet. Darum habe ich sie so bezeichnet, als was ich sie wahrnehme: Die vier wunderbaren praktikablen Ratschläge von Thay haben meines Erachtens auch nichts mit Religionen oder Spiritualität zu tun, sondern wirken ganz gewiss bei Jedem jederzeit unabhängig vom Glauben. Aber das ist meine Meinung. 72. Blogbeitrag
Heute möchte ich dich auf eine musikalische Reise mitnehmen. Lass mich einen wunderschönen Song mit dir teilen vom grossartigen skandinavischen Soulkünstler Ole Børud (Spoileralarm: Er kann auch Fusion und Metall; siehe am Schluss). Ich stellte ihn bereits in meinem 7. Blogbeitrag vor. Natürlich verbirgt sich auch hinter diesem Blog eine schöne Botschaft, aber zuerst möchte ich dir von seinem neuesten Album Soul Letters erzählen, welches eine wunderbare Hommage an die Soulmusic darstellt und absolut hörenswert ist. Ein Song von diesem Album sticht in seiner Klangdynamik und raffiniertem Aufbau besonders hervor und verbindet in dieser stimmgewaltigen Ballade sowohl ruhige Klänge, intensive Highlights wie auch einen Hauch von Gospelgesang. Der Song trägt den Titel «Lead the way» und passt perfekt in diese Zeit, denn er startet mit der stimmigen Zeile: «Walking in november. See the leaves on the ground…..». Hört euch den Song erst mal an, ohne euch auf den Text zu fokussieren und geniesst diese wunderbare Komposition in vollen Zügen. Achtet euch auf die aufbauenden Elemente dieses Songs und wie er es schafft, immer wieder zurück zu zärtlichen Klängen zurückzufinden, obschon man auch ohne Textfokussierung spürt, dass er stellenweise vor lauter Glückseligkeit zu explodieren scheint. Ole hat sein Glück in seinem Glauben zu Jesus gefunden. Er fühlt sich begleitet und geborgen in dieser Liebe und dies bringt er in diesem Song ganz wunderbar zum Ausdruck. Mir geht es nota bene nicht um den religiösen Kontext in diesem Song, denn es soll Jede/r selbst an was auch immer glauben. Es geht mir mehr um die Art, wie hingebungsvoll er seiner Passion Ausdruck verleiht und dazu auch steht. Das macht den Song sehr authentisch und intensiv. Findest du nicht auch? Als Musikbegeisterte wurde ich bei Ole Borud einfach neugierig, was er denn musikalisch und auch textlich noch so drauf hat - und das ist eine ganze Menge: Er kombiniert Soul, Funk, Rock, Pop und Jazz Elemente auf seine eigene Art und Weise (und eben auch noch Fusion und Metall - what a crazy guy!). Ich picke ein paar meiner Rosinen für dich heraus, sofern ich dich neugierig gemacht haben sollte und sofern du dich auch etwas intensiver für die Musik interessieren solltest. Falls nicht, kannst du auch einfach ganz zum Schluss scrollen, um das Fazit dieses Blogs zu erhaschen. Eines noch vorweg, bevor du dich ins musikalische Abenteuer mit mir begibst: Es lohnt sich, die folgenden Songs ganz durchzuhören, denn oftmals sind die Rosinen im letzten Teil der Songs versteckt: 1. Hör dir mal den wunderbar akkustisch-melancholischen Song «Can’t let go» aus Soul Letters an und geniesse im Refrain, wie harmonisch es klingt, wenn die Gitarre die klar gesungene Vocalline drei Taktschläge versetzt wiederholt. Im zweiten Refrain verdoppelt er seine Stimme mit stärkerem Hall und dieser Effekte scheint seiner textlich dargestellten Verzweiflung noch mehr Ausdruck zu verleihen. In der letzten Strophe an der Textstelle «You know, that I love you so, and its hard for me to say goodbye» nimmt er all diese Effekte auf einmal wieder raus. Damit verstärkt er sein beschriebenes emotionales Dilemma auf eine raffinierte Weise, indem er dadurch ganz konkret auf seine Textbotschaft fokussieren will. Der Song hört so leise auf, wie er begann und auch das beschreibt meines Erachtens sehr wirkungsvoll den Teufelskreis, den er mit diesem Song beschreibt. Ich widme diesen Song einer ganz speziellen Person in meinem Leben und wünsche mir sehr, dass alles überwunden ist. 2. Wenn du die Band "Steely Dan" magst, dann hör dir mal folgenden Song an vom Album Outside the limit aus dem Jahre 2019 und zwar «Put my money»: . Das Gitarrenriff erinnert mich an den Anfangsgroove der Steely Dan Nummer "Josie"; wobei die letztere Komposition musikalisch komplexer und auch rhythmisch raffinierter aufgebaut ist. 3. Auf demselben Album hat er meines Erachtens einen humoristischen Textknüller kreiert, dessen Botschaft ich ab und dann gut hätte gebrauchen können: Es ist der ironisch gemeinte Song «Talk to my lawyer». Darin nimmt er sich in den Schutz indem er klar sagt, dass er nicht zur Verfügung stehe für falsche Anschuldigungen und sonstigem Rubbish und dass man doch gerne seinen Anwalt kontaktieren könne bei Bedarf; was natürlich ironisch zu verstehen ist. 4. Es geht textlich sehr persönlich weiter auf demselben Album mit dem ehrlichen Titel «I can’t pretend», wo er beschreibt, dass er niemandem etwas vorgaukeln möchte und dass er das Authentische sucht. Sehr jazzy, sehr melodiös mit tollen Akkordabfolgen. 5. Das Album Stepping out aus dem Jahre 2014 überrascht mit poppigen Synthieklängen und spannenden Acid Jazz Ansätzen. Er besingt darin die hoffnungsvollen Möglichkeiten, die das Leben bieten kann. Achte dich mal bei einem zweiten Durchhören allein auf die virtuellen Gitarreneinschübe (von ihm selbst gespielt). Wieder einmal sehr melodisch und textlich tröstend überrascht er dann noch mit grossartigen Bläserelementen, effektvollem Chor und genialer Rhythmusgitarre im Refrain und in den Bridges im Song «Maybe». Ganz wunderbar arrangiert ist der B-Teil vor dem Schlussrefrain. 6. Das Gefühl, dass Andere einen zurückhalten und dadurch schaden, kann lähmend sein. Er schrieb einen befreienden Songtext mit erneuten unüberhörbaren Steely Dan Elementen in «Stepping out», was vereinfacht übersetzt werden kann mit «Ich trete dieses Mal aus - nichts kann mich jetzt mehr stoppen». Der typische, jazzig harmonisierte, funky-groovy tänzelnde Steely Dan-Stil wird auch hier genüsslich zelebriert. 7. Ein Album von 2011, dass ich weniger oft höre, ist Keep Moving. Aber auch da hat es Rosinen drin, insbesondere den Song «Souls in Chain». Das (Bläser)Arrangement ist meines Erachtens erstaunlich reif für einen damals recht junger Musiker, findest du nicht auch? Natürlich singt er auch da schon wieder über die Liebe zu seinem Erlöser aber eben, das ist okay. Hier geht’s mir mehr um den cleveren und überraschenden musikalischen Songverlauf als um den Text. 8. Aus dem Jahre 2002 stammt sein erstes Meisterwerk Chi-Ro und ich finde es unglaublich, wie vielseitig sich Ole seither musikalisch entwickelt hat. Ich hör mir dieses Album auch gerne, wenn ich etwas Schwung in meine Hausarbeitsroutine kriegen möchte. Die Texte zelebrieren alle seinen tiefen Glauben und trotzdem (oder gerade deshalb?) ist es grandios anzuhören – allein der Musik wegen. Ganz stark finde ich rein musikalisch gesehen folgende Songs daraus: a.) «Chi-Ro» mit tollen Streicherakzenten, die uns durch den ganzen Song hindurch begleiten. Was ich mir wünschte, wäre einen besser hörbaren Bass: b.) «Pray to god», welches sehr rockig daherkommt. Der vorgezogene Groove im Refrain verleiht dem Ganzen noch etwas mehr Drive. Bei so viel Schwung hat bei mir spätestens nach dem 1. Refrain kein Staubkorn mehr ne Chance beim Putzen :-). Was ich schade finde, ist das zu brave Gitarrenkurzsolo nach dem 1. Refrain. Aber der tolle Break nach dem 2. Refrain und jenes Gitarrensolo im Hintergrund bis vor dem B-Teil entschädigt mich vollends. c.) «Hold me Jesus” hat einen coolen Beat. Das Schlagzeug unterstützt den Song durch subtile Rhythmen und Akzente. d.) Zum Schluss überrascht der junge Musiker den Zuhörenden mit enorm viel musikalischer Kreativität beim Song «Let the Kingdom come» ab Mitte des Songs. Eine faszinierende Kombination aus authentischer Botschaft, musikalischer Vielfalt, virtuosem Gitarrenspiel, eingängiger Melodie und emotionaler Ausdruckskraft. 9. Und dann begeistert Ole mit coolen Covers wie jenes von Airplay namens "Nothin' You Can Do About It". Was ich an Ole so liebe ist seine positive Einstellung zum Leben. Und er packt neben ganz viel Groove eben auch ganz viel Liebe in seine Kompositionen. Ich weiss auch nicht weshalb, aber Ole tun mir einfach gut. 10. Falls du noch Zweifel an seinem musikalischen Talent hast und mit dem musikalischen Begriff «Fusion» etwas anfangen kannst, dann hör dich mal seine neueren Projekte an und geniesse seine Vielseitigkeit. 11. Oder gehörst du zu den Liebhabenden von Metall Sound mit einer Mischung aus Thrash, Death und leichten progressiven Anflügen und Elementen aus Black Metal? Das entspricht gar nicht meinem Geschmack, aber rein musikalisch gesehen sind die auch auf recht hohem Niveau (wie Metallica - die mag ich eher). Ole schreibt, arrangiert und singt alle seiner Songs selbst und natürlich produziert er diese auch. Er spielt auch alle Gitarrenparts selbst und ist zudem in weiteren spannenden Projekten involviert – halt ein Vollblutmusiker! Für das nichtmusikalisch geschulte Gehör mag er mit seinen meisten Alben etwas schräg daherkommen. Für mich ist es purer Genuss, wie musikalisch vielschichtig versiert und gesanglich perfekt Ole seinen Gefühlen Ausdruck verleiht. Er vereint gekonnt verschiedene musikalische Stile wie Pop, Rock, Jazz, Funk und Soul und mir gefällt seine Fähigkeit, verschiedene Genres derart zu mischen, so dass ein einzigartiger Sound daraus entsteht. Mein Fazit: Was mir am besten an diesem Musiker gefällt, ist seine Vielseitigkeit, Positivität und Authentizität. Und das verleiht seiner Musik eine enorme Glaubwürdigkeit und Intensität: Er steht musikalisch zu seiner Liebe zum Leben und zum christlichen Glauben und unabhängig davon, ob man selbst religiös ist oder nicht oder ob man seine Musik gerne hören mag oder eben nicht: Zu sich und zu seinen Überzeugungen zu stehen ist absolut nachahmungswürdig. Ich finde, Ole geht da mit ganz gutem Beispiel voran. Etwas mehr Ole würde uns allen bestimmt guttun. 71. Blogbeitrag
Angst, Wut und Verzweiflung entstehen oft aufgrund falscher Wahrnehmung. Wir haben unzählige falsche Vorstellungen/Erwartungen uns und unserem Umfeld/Umwelt gegenüber und das ist die Grundlage für zahlreiche Konflikte. Ich habe das eingehend im Blog 63 beschrieben mit Lösungsansätzen für dich selber. Auf diesen Beitrag hin meldete sich Mary im Kommentar und wollte einen Tipp haben, wie wir anderen helfen können, weniger zu leiden. Es gibt natürlich zahlreiche Ansätze, aber die folgende Methode gefällt mir am besten: Thich Nhat Hanh (Thay), ein buddhistischer Mönch und Friedensaktivist, schlägt eine Methode aus Achtsamkeit und Mitgefühl vor, um das eigene und fremde Leiden zu mindern. In einem Interviewausschnitt mit Oprah Winfrey erklärt er einen möglichen Lösungsansatz für diese nützliche Soforthilfe. Ich habe seine Aussagen für dich im unteren Blogtext zusammengefasst. Du kannst dir auch gerne noch das Video mit deutschem Untertitel anschauen. Es geht um die Methode des mitfühlenden Zuhörens. Idee ist, dass dein Gegenüber den Herzschmerz leeren kann ohne Korrekturen oder Ratschläge deinerseits (Ratschläge können nota bene auch Schläge sein). Dabei spielt es keine Rolle, ob dein Gegenüber falsche Wahrnehmungen voller Bitterkeit äussert. Du musst dich einfach immer daran erinnern, dass du mit mitfühlendem Zuhören deinem Gegenüber hilfst, im aktuellen Moment weniger zu leiden. Wenn du die Wahrnehmung deines Gegenübers korrigieren möchtest, kannst du das ein anderes Mal tun. Beim achtsamen Zuhören geht es nur darum, deinem Gegenüber zu helfen und sein Leid sofort zu mindern. Es entsteht dadurch die Chance der Erleichterung, des Befreiens in diesem Moment für diese Person – und womöglich auch für dich. Thay liefert ein Beispiel, wie man so ein Gespräch auch selber ansprechen könnte mittels einer ernstgemeinten, liebevollen Anrede: «Lieber X. Ich weiss, dass du viel leidest. Ich habe noch nicht genug von deinen Schwierigkeiten und Leiden verstanden. Es ist nicht meine Absicht, dass du mehr leidest. Ganz im Gegenteil. Bitte erzähle mir von deinem Leiden, deinen Sorgen und Schwierigkeiten. Ich möchte lernen, dich zu verstehen». Wenn dein Gegenüber es auch möchte, wird es das Herz öffnen. Und dabei praktizieren wir mitfühlendes Zuhören und lernen auch viel über unsere eigene Wahrnehmung und derjenigen unseres Gegenübers. Natürlich gibt es viele weitere Aspekte, die individuell berücksichtigt werden müssen bei jedem Gespräch. Vorallem, wenn du selber emotional tangiert, involviert oder kompromittiert bist. Wenn du es erst mal nicht schaffst, nur zuzuhören, dann versuche zumindest, ganz ruhig zu atmen. Das erhöht die Chance, trotz einem hohen Emotionalitätsgrad deines Gegenübers ruhig und bei dir zu bleiben. Es kann auch vorkommen, dass du dich mittels Onlinerecherche informieren möchtst über das Leiden des Gegenübers. Das macht Sinn, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen und gegebenenfalls Fachstellen zu orten, insbesondere bei allgemein bekannteren Leiden wie Depressionen, Burnout, Mobbing, etc.. Doch bei der Interpretation ist Vorsicht geboten: Wir schliessen im Zeitalter von Google und Chat GTP rasch voreilige laienhafte Schlussfolgerungen. Da würde ich immer das Gegenüber direkt befragen und/oder weitere Hilfe/Quellen beiziehen. Fazit: Ganz egal, wie schlimm das Leiden deines Gegenübers auch sein mag, dein ernstgemeintes, friedliches und mitfühlendes Zuhören kann umgehend eine Erleichterung bedeuten für das Gegenüber. Nur Zuhören - nicht Reden. Wie bereits erwähnt, ist das alleiniges Zuhören gar nicht so einfach. Wenn du spürst, dass deine Emotionen sich bemerkbar machen, versuche zumindest, ruhig zu atmen und dadurch ruhig bei dir selber zu bleiben. Übung macht den Meister. Es ist übrigens auch ausnahmlos immer eine wunderbare Achtsamkeitsübung für dich selber - insbesondere, wenn das Leiden deines Gegenübers auch dich betrifft! Kennst du noch weitere tolle Tools, wie man Erste Hilfe bei Leidenden praktizieren könnte? Dann her damit! 70. Blogbeitrag
Rechtzeitig zu Halloween möchte ich euch mit einem nützlichen und zugleich tiefsinnigen Zitat vertraut machen: Das lateinische Zitat "Memento mori" bedeutet übersetzt "Bedenke, dass du sterblich bist". Es ist ein bekanntes Sprichwort, das uns daran erinnert, dass wir alle körperlich Sterbliche auf dieser Welt sind und dass wir uns bewusst sein sollten, dass unser Leben in der aktuellen Form begrenzt ist. Doch was ist Bewusstsein? Bewusstsein ist ein komplexes Phänomen, das die Fähigkeit eines Individuums beschreibt, sich seiner Selbst und seiner Umgebung bewusst zu sein. Es ermöglicht die Wahrnehmung von Gedanken, Emotionen, Sinneswahrnehmungen und Handlungen und erlaubt uns, unsere Erfahrungen zu interpretieren, zu reflektieren und darauf zu reagieren. Das Bewusstsein ist gemäss aktuellen Studien die biologische Fähigkeit, im Gehirn eine immer differenziertere Vorstellung von der Aussenwelt zu entwickeln. Was wir sehen, ist womöglich eine ständige Rekonstruktion der äusseren Realität. Mit optischen Täuschungen lässt sich das menschliche Bewusstsein deshalb nach Belieben manipulieren. Platons Höhlengleichnis beschreibt dieses Phänomen bereits 400 v. Chr. und besagt, dass wir alle eine subjektive Wahrnehmung und damit ein eigenes Bewusstsein haben (siehe Blog 57). Wenn du Lust hast, dass schaue dir mal die Arte-Dokumentation vom 15.10.23 an. Darin werden die neuesten neurowissenschaftlichen Studien über die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins erläutert (1). Wer kann uns die Wahrheit zum Thema Bewusstsein liefern? In der Wissenschaft geht es nicht um die Wahrheit per se, sondern darum, durch Forschen und Erkennen Wissen hervorzubringen. Wissen, das überprüfbar und systematisch dokumentiert ist und veröffentlicht wird. Das mag der Wahrheitsfindung dienen, aber muss nicht der kollektiven Wahrheit entsprechen. Und jede wissenschaftliche Erkenntnis bleibt auch nur so lange aktuell, bis sie widerlegt wird. Die Frage nach der Wahrheit gehört eher zu den zentralen Themenfeldern der Philosophie (wörtlich die Liebe zur Weisheit) und der Logik (Die Wissenschaft des folgerichtigen Denkens) und wird von verschiedenen Theorien unterschiedlich interpretiert. Wie hängen denn Wahrheit und Bewusstsein zusammen? Bewusstsein und Wahrheit sind eng miteinander verbunden. Das Bewusstsein ermöglicht es uns, die Wahrheit für uns zu erkennen und zu verstehen, beeinflusst aber auch unsere Wahrnehmung und Interpretation der Wahrheit. Der genaue Zusammenhang zwischen Bewusstsein und Wahrheit ist jedoch komplex und wie bereits erwähnt kann das je nach philosophischer oder wissenschaftlicher Perspektive unterschiedlich interpretiert werden. Es gibt noch weitere Theorien und Ansätze zur Erklärung des Bewusstseins. Während die Wissenschaft argumentiert, dass Bewusstsein eine rein physikalische Eigenschaft des Gehirns ist, gehen Religionen davon aus, dass es eine immaterielle Komponente gibt, die nicht durch wissenschaftliche Methoden erklärt werden kann. So gibt es bei allen Weltreligionen ein Leben nach dem Tod, Auferstehung, Wiedergeburt oder Unsterblichkeit. Wo die Wissenschaft endet, beginnt der Glaubensbereich. Es ist so oder so ein Dilemma: Bewahrheiten sich die aktuellen Forschungserkenntnisse, kann es ohne Gehirn kein Bewusstsein geben und damit auch kein bewusstes Existieren nach dem Tod. Stimmen die Vermutungen der Religionen, existieren wir weiter nach dem Tod und sind womöglich ewig in einem Wiedergeburtszyklus gefangen, bis wir die Erlösung erlangt haben. Oder vielleicht gibt es sogar eine Daseinsform ohne Bewusstsein? Trotz intensiver Forschung, Debatten oder Gebete ganzer Religionsgemeinschaften bleibt die Wahrheit über das Bewusstsein zu Lebzeiten und darüber hinaus ein rätselhaftes Phänomen, das wohl nie gelöst werden kann. Mit dieser Ungewissheit müssen wir leben lernen. Ganz egal, was in der Zukunft mit unserem Bewusstsein passieren mag oder eben auch nicht: «Memento Mori» kann uns im jetzigen Moment dazu ermutigen, unser Leben in unserem Umfeld in vollen Zügen bewusst zu geniessen. Und das tu ich auch jeden Tag so achtsam wie möglich. Und das nicht nur für den Fall, dass die Wissenschaft recht behalten sollte ;-). (1) Quelle der Arte Dokumentation "Das Rätsel unseres Bewusstseins". 69. Blogbeitrag
Alles der Reihe nach. Beginnen wir mit Waldbaden, welches in aller Munde ist. Was steckt dahinter? Der Ursprung des Waldbadens stammt aus Japan und wird dort «Shinrin Yoku» genannt, was wörtlich übersetzt so viel bedeutet wie «Eintauchen in die Waldatmosphäre». Es geht um das bewusste Verweilen im Wald – mit dem Zweck sich zu erholen und zu stärken. Shinrin Yoku ist in Japan seit vielen Jahrzehnten etabliert und schulmedizinisch anerkannt. Waldbaden ist dort sogar eine eigene wissenschaftliche Disziplin, die an Universitäten und Hochschulen gelehrt und erforscht wird. Studien haben dort gezeigt, dass regelmässige Aufenthalte im Wald dazu beitragen können, das Immunsystem zu stärken und die Abwehrkräfte des Körpers zu verbessern (1). Wie badet man im Wald? Ganz einfach, indem man darin eintaucht. Mit allen Sinnen geniessen lautet die Devise. Und ganz nach deinem persönlichen Geschmack. Hier habe ich ein paar Anregungen für dich: 1. Lass dich einfach mal treiben. Bleib dort stehen, wo etwas Sinnliches dich erwartet. Setz dich dort hin, wo du magst. Gehe dort weiter, wo dich die Neugierde vorantreibt. 2. Lausche einmal nur den Naturgeräuschen mit geschlossenen Augen. Wenn du deine Augen wieder öffnest, erfreue dich der Farbenpracht des Waldes. Vielleicht entdeckst du genau in diesem Moment den letzten Tanz eines herabfallenden Blattes. Bewundere dieses Schauspiel, heb es auf und riech einmal daran. Die beruhigenden Walddüfte bewusst wahrzunehmen ist einfach wunderbar. Rieche auch einmal an einem Stein oder an einem Stück Holz. 3. Wenn du Glück hast, dann hörst du das Rascheln der Bäume und spürst denselben Wind, der dich zärtlich auf deine Wangen zu küssen scheint oder neckisch mit deinen Haaren spielt. 4. Bestimmt triffst du auch eine Pfütze an. Schau mal hinein und entdecke ihre versteckte Schönheit. Ich erblicke darin meistens den wunderbaren Himmel und nenne sie daher gerne himmlische Pfützen (siehe Blogbeitrag 30). 5. Du kannst dich auch auf einen Baumstumpf setzen und versuchen, dich mit dem Wurzelnetzwerk der Bäume zu verbinden. Mir ist das auch schon einmal gelungen im 5. Blogbeitrag. Es gibt auch wunderbar breite Baumstämme, auf denen man einfach so verweilen kann. Ein Baumstumpf kann aber auch kreativ genutzt werden. Sammle ein paar flache Steine und versuche, eine S(t)einbalance zu kreieren (ich erklär dir im Blogbeitrag 40, wie das geht). 6. Der Wald ist voller Leben. Manchmal braucht es etwas Geduld und Ruhe, bis sich die scheuen Tiere zeigen. Tipp: Schau auch mal auf den Boden und staune, wieviele Insekten zu Fuss unterwegs sind - genau wie du. Ich habe gelesen, dass Waghalsige sogar barfuss durch den Wald laufen aber ich weiss nicht so recht, ob ich das ständige Pieksen ignorieren könnte. Lieber trage ich bequeme Schuhe und achte mich darauf, dass keine Tierchen meinetwegen Schaden nehmen. Das ist am Morgen immer eine ziemliche Herausforderung, weil dann noch besonders viele gehäuste Schnecken unterwegs sind. All das kurbelt den Parasympathikus, unseren sogenannten „Nerv der Ruhe“ an. Und so tauchen wir idealerweise in eine tiefe Entspannung ein und regenerieren Körper und Geist. Weisst du, was das Beste an der ganzen Sache ist. Waldbaden funktioniert überall gleich gut. Gerne zitiere ich meinen eigenen Spruch an dieser Stelle aus dem 16. Blogbeitrag: «Egal durch welchen Wald ich laufe, ich finde immer wieder zu mir zurück». Und hier noch der vielleicht wichtigste Tipp ganz am Schluss: Waldbaden ist genau wie das herkömmliche Baden etwas sehr Persönliches und Intimes. Es mag daher gut sein, dass du dich vielleicht gestört oder gehemmt fühlst, an einem Stein zu schnüffeln und den verwirrten oder gar bemitleidenswerten Blick von Vorbeilaufenden zu riskieren (eigentlich sollte das ja auch egal sein). Dann such dir kleinere, unwegsamere Wege durch den Wald. Manchmal sind die besten Stellen fernab vom Weg (2). Waldbaden funktioniert nur, wenn du dich zu 100% darauf einlässt und vollends entspannen kannst. Erst dann entfaltet es seine volle Wirkung. Ganz ohne Esoterik. Einfach du und der Wald und nix anderes! Es muss aber auch nicht immer die Vollbadvariante sein. Waldduschen geht aus :-). Du musst nur nach einem Regenschauer durch den Wald spazieren. Mit etwas Wind, welche die versteckten Regentropfen aus ihren blättrigen Verstecken locken, eröffnet sich ein neues Erlebnis. Neu ist das auch im wahrsten Sinne des Wortes. Das Wort Waldduschen kennt Google noch nicht. Ich glaube, ich habe soeben eine neue Disziplin kreiert :-). Das ist nicht dasselbe wie im Regen durch den Wald laufen. Es geht um das Lichtspiel von Sonne und übriggebliebenen Regentropfen, die über, auf oder neben mir ihre sinnliche Route fortsetzen. Es geht um den Geruch des Waldes nach dem Regen. Es geht um ein bewusstes Geniessen dieser harmonischen Verbindung zwischen Himmel und Erde. Und irgendwo dazwischen spazieren viele Menschen durch den Wald. Viele geniessen den Wald, einige davon erleben sogar bewusst den Wald. Aber nur wenige Fortgeschrittene sind eins mit dem Wald und genau so ein intensives Erlebnis wünsche ich dir von Herzen bei deinem nächsten Spaziergang durch den Wald. (1) Es gibt eine wachsende Anzahl von Studien, die die positive Wirkung des Waldbadens auf die Gesundheit und das Wohlbefinden belegen. Einige der wichtigsten Studien sind: 1. "Shinrin-yoku (Waldbaden) und seine Wirkungen auf das Immunsystem und das autonome Nervensystem" von Qing Li et al. Diese Studie untersuchte die Auswirkungen des Waldbadens auf das Immunsystem und das autonome Nervensystem und fand heraus, dass es zu einer signifikanten Steigerung der natürlichen Killerzellen und einer Verringerung des Stresshormons Cortisol führte. 2. "Effects of forest bathing on cardiovascular and metabolic parameters in middle-aged males" von Bum-Jin Park et al. Diese Studie untersuchte die Auswirkungen des Waldbadens auf kardiovaskuläre und Stoffwechselparameter bei mittelalten Männern und fand heraus, dass es zu einer signifikanten Senkung des Blutdrucks und der Herzfrequenz führte. 3. "Psychological effects of forest environments on healthy adults: Shinrin-yoku (Waldbaden) as a possible method of stress reduction" von Yoshifumi Miyazaki et al. Diese Studie untersuchte die psychologischen Auswirkungen des Waldbadens auf gesunde Erwachsene und fand heraus, dass es zu einer signifikanten Reduzierung von Stress, Angst und Depression führte. (2) Aber achte dich auch auf unangenehme Reisegefährten wie hungrige Zecken. Nach jedem Waldbaden ist Duschen (oder aber ein Bad in der herkömmlichen Badewanne) ein absolutes Muss! 66. Blogbeitrag:
Das Paradox unserer Zeit ist: Wir verbrauchen mehr, aber haben weniger. Wir machen mehr Einkäufe, aber haben weniger Freude. Wir haben grössere Häuser, aber kleinere Familien. Wir nutzen mehr medizinische Möglichkeiten, aber werden immer kränker. Wir haben unseren Besitz vervielfacht, aber unsere Werte reduziert. Wir wissen, wie man seinen Lebensunterhalt verdient, aber nicht mehr, wie man lebt. Wir haben dem Leben Jahre hinzugefügt, aber nicht den Jahren Leben. Wir kommen zum Mond, aber nicht mehr an die Tür des Nachbarn. Wir planen mehr, aber erreichen weniger. Wir haben gelernt schnell zu sein, aber wir können nicht warten. Wir sprechen zu viel und hören nicht mehr zu. Wir schauen zuerst nur für uns selbst und vergessen, worum es in Beziehungen eigentlich gehen sollte. Es ist die Zeit des schnellen Denkens und der langsamen Vereinsamung, der grossen Narzissten und der kleinkarierten Seelen, der leichten Profite und der schwerwiegenden gesellschaftlichen Probleme der heutigen Zeit. Wars das? Sind wir am Ende? Schauen alle nur noch für sich allein? NEIN! Es gibt Hoffnung. Es gibt noch genug Menschen da draussen, sich noch für andere Menschen einsetzen. Genug davon wehren sich beherzt gegen Ignoranz und mangelndem Mitgefühl. Gottlob! Ich durfte diese Woche ein solches Wunder hautnah miterleben. Lass mich kurz davon berichten: Ich bin mit meiner Mutter Teil einer Altdeutschen Mops Community (ich habe im Blog 29 und 35 von unserer Hündin berichtet). In dieser Community ist an diesem Montag ein Tier namens Eddy entlaufen. An seinem Ferienplatz am ersten Tag. In unbekanntem Terrain. Verzweiflung pur machte sich breit, da die Hundeeigentümer im Auslandsurlaub verweilten. Die Community aus beherzten Damen und Herren machte sich kurzerhand daran, alles zu tun, damit Eddy wieder gefunden werden kann. Vier Tage lang wurde geweint, gedruckt, verteilt, geklebt, gesucht. Man hatte diese vier Tage mit Hilfe der Eigentümer im Urlaub fast 24 Stunden lang Suchtruppen, Spürhunde und Drohnen organisiert. Fast 24 Stunden lang war irgendjemand aus der Community vor Ort. Es war ein Hoffen und Bangen. Ein Warten und Beten, Ein Ringen um positive Gedanken bis endlich der erlösende Anruf kam, dass Eddy am Freitag von einer Dame einige Dörfer weiter (!) aufgegriffen werden konnte. Unglaublich, aber wahr. Du hättest diese riesigen Steine ebenso hören können, die uns und der ganzen Community von Herzen gefallen sind! Es mag viel zu viele Gegensätze zwischen uns Menschen geben, aber es gibt eben auch zahlreiche Gemeinsamkeiten und auf die sollten wir uns mehr fokussieren. Und genau das ist es, was eine Community ausmacht: Sie zeichnet sich durch Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und Engagement aus. Man verfolgt gemeinsame Ziele und Ideale. Man setzt sich gerne freiwillig für das Wohl der Gemeinschaft ein. Letztendlich ist es die gemeinsame Verbindung und das Gefühl der Zugehörigkeit, die eine Community stark macht. Und genau diese Zusammengehörigkeit mit einem gemeinsamen Ziel hat letzthin zum Erfolg geführt. Eddy ist wieder wohlbehütet daheim und alle sind überglücklich. Vielleicht erscheint es dir paradox, dass Leute sich unterstützen, die sich zwar noch nie gesehen haben, aber miteinander weinen. Die sich noch nie vorher gehört haben, aber miteinander alles versuchen, bis der geliebte Hund wieder bei seinen Eigentümern daheim ist. Was kann man aus dieser Geschichte lernen. Da draussen mag diese paradoxe Welt spinnen. Aber es gibt immer und überall das Gute auf dieser Welt. Und dafür lohnt es sich zu kämpfen (1). Auch wenn es einmal nicht um einen selbst geht. Gerade deswegen! Danke, liebe Community vom Möpsli-Plausch für diese wertvolle Erfahrung, die ich für immer ganz tief in meinem Herzen tragen werde! Und weiter so! (1) Samweis Gamdschie von der Filmtrilogie «Herr der Ringe» wusste das auch schon. Ein toller Filmcharakter!! Blogbeitrag 65
Vor gut einem Monat wurde ich Zeuge eines wunderbaren Moments im Wald. Ich lief durch den Wald, begleitet von zierlichen Schmetterlingen. Wenn sich die flatternden Schönheiten einen Ruhemoment gönnen, bietet sich die einmalige Chance, sich die bezaubernden Tiere in der Nähe anzusehen. Das Objekt meiner Begierde landete auf einem Farn und schon wollte ich die Kamera zücken. In diesem Moment erhaschte eine kecke benachbarte Brennessel meine Aufmerksamkeit durch einen verwunschenen Staubausstoss ihrer zarten Blüte. Das fragile Staubwölkchen verflüchtigte sich im Moment des Erblickens. Ganz entzückt von diesem sonnendurchfluteten Schauspiel verpasste ich den Wegflug des Schmetterlings. Viele verpassen einen Wegflug eines Schmetterlings. Aber wieviele wissen dadurch, dass es sich lohnt, einer lichtdurchfluteten Brennessel genau dieselbe zärtliche Aufmerksamkeit zu schenken als einem zauberhaften Schmetterling? Es können nicht ebenso viele sein. Google beweist es: Es gibt tausende Schmetterlingsbilder. Aber ich habe kein einziges Bild einer stäubenden Brennesselblüte gefunden. Kein Wunder. Es bleibt nicht genügend Zeit dieses spontane Spektakel zu betrachten und gleichzeitig bildlich festzuhalten. Und weisst du was, das finde ich gut so. Multitasking macht weder Sinn noch Spass (1). Dieses schöne Ablenkungsmanöver der beherzten Brennessel habe ich gerne live in Kauf genommen. Was für ein schöner Moment. Seither betrachte ich Brennesseln in einem ganz anderen Licht. Ein brennender Gedanke liess mich nach diesem Happening für den Rest des vergnüglichen Spaziergangs nicht mehr los. Weshalb schenke ich einem Schmetterling mehr Beachtung als einer Brennessel? Dankeschön, liebe Brennessel für den Anschauungsunterricht, dass wir sehr wohl unsere Bedeutung in Dinge reininterpretieren. Und dass diese stäubende Brennessel für mich vorher schlichtweg nicht exisiert hat! Danke, lieber Platon (Blog 57) und lieber Kant (Blog 73) für mögliche Erklärungsansätze für diese Phänomene. Und danke liebe Pippi Langstrumpf für den philosophisch angehauchten Ohrwurm, der mich nach dieser Erkenntnis bis vor meine Haustüre begleitete: «Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt». (1) Ich schreibe im Blog 43 darüber. Blogbeitrag 64
Sollte man sich nicht mindestens einmal im Leben verlieben? Unbedingt! Müsste man Hawaii einmal im Leben besucht haben (1)? Natürlich! Und stell dir vor, beides geht auch in genau dieser Kombination. Ich kann das seit meinem Hawaiiurlaub bezeugen! Aber alles der Reihe nach: Hawaii ist eine faszinierende Inselgruppe mitten im Pazifik, welche zu den USA gehört. Nur acht der rund 130 Inseln sind erschlossen – etwa 1,4 Millionen Menschen leben hier. Hawaiis Natur ist atemberaubend und viele Pflanzen- und Tierarten gibt es nur hier. Das Landschaftsbild auf Big Island ist stark von den fünf Vulkanen dominiert, die teilweise aktiv und sich bis zu 4.205 Meter über das Meer erheben. Sie sind gleichzeitig Zeugnisse der Hawaiianischen Geschichte (2), welche von den gewaltigen Naturkräften bestimmt wurde. Das Alltagsleben im alten Hawaii wurde durch den Glauben an die Götter bestimmt. Man musste sich an die Kapus (Regeln, Verbote) halten. Durch den tief verwurzelten Glauben an die Götter, welche für das Auftreten von Naturkatastrophen, wie Vulkanausbrüche verantwortlichen waren, wurde eine Missachtung der Kapus mit dem Tode bestraft. Das hat sich gottlob geändert. Aber noch heute werden Traditionen und Mythen gelebt (3). Eine davon ist der Vulkangöttin Pele gewidmet. Pele gilt nicht nur als Göttin der Zerstörung, sondern spiegelt die Dualität des Vulkanismus wieder, die darin liegt, dass Vulkanausbrüche neues Land entstehen lassen. Nirgendwo sonst wird das so deutlich wie auf Hawaii, denn dort reicht selbst die kurze Zeitspanne eines Menschenlebens aus, um zu erkennen, dass die Schöpfung unseres Planeten ein offenes Kapitel ist. Das zeigt sich auch in dem Beinamen der Göttin: "Die, die das Heilige Land formt". Sie formt es dort, wo die Lavaströme ins Meer münden. Auf Hawaii wurde mir mehrmals bestätigt, dass Pele noch heute offenbar jeden verflucht, der Lavagestein von der Insel mitnimmt. Tatsächlich häufen sich im Visitor-Center der Nationalparkverwaltung von Hawaii Rücksendungen von Lavasteinen, die vom Pech verfolgte Touristen zurückschickten. Ich bin zwar nicht abergläubisch. Dennoch brachte ich Pele ein paar schöne Glückssymbole und Steine mit - dies im Sinne einer Wertschätzung dieser wunderbaren Kultur gebenüber. Selbstverständlich liess ich auch die Finger vom Lavagestein. Man weiss ja nie… Die wichtigsten Begriffe des Glaubens im alten Hawaii waren und sind noch immer Aloha (Liebe), Ohana (Familie, Zusammenhalt (4)) und Kokua (Hilfsbereitschaft). Sie sind alle eine Familie, die sich hilft und liebt. Mich beeindruckte vor allem das gelebte Aloha. Darauf will ich näher eingehen: Aloha ist nicht nur ein Grusswort oder ein Mythos, es ist eine Lebenseinstellung. Wörtlich übersetzt bedeutet es „Die Gegenwart des Atems“. Alo bedeutet Präsenz/Gegenwart und hâ bedeutet Atem. Es ist liebevolle Lebensfreude pur. Es geht auch darum, diese Liebe zu allem in jeden Moment zu erleben. Aloha ist pure Liebe, die du für dich selber empfinden und weitergeben kannst. Liebe kann Konflikte und Widerstände auflösen und zur Antwort auf so viele Fragen werden. Liebe ist unendlich. Liebe ist immer da. Und es ist eines der wenigen Dinge, die sich vermehrt, wenn man es miteinander teilt :-). Es steckt so viel Liebe und Freude in uns und in dieser Welt – trotz all den heutigen politischen und gesellschaftlichen Irrungen und Wirrungen. Versuche mal, dir gegenüber und deinem Umfeld mehr von diesem liebevollen Alohaspirit zu leben. Das macht süchtig und ist im höchsten Grad ansteckend. Und weisst du warum? Weil es sich anfühlt wie frisch verliebt. Du glaubst mir nicht? Probiers mal selber aus und verlieb dich noch heute :-). Und nun wünsche ich dir viel Freude mit dieser neuen wunderbaren Art des Verliebens - Aloha! (1) Trotzdem ist Hawaii nicht meine Lieblingsinsel. Neugierig? Dann lies es im Blog 33 nach). (2) Es lohnt sich, die Geschichte Hawaiis zu erforschen. Dahinter steckt viel Wunderbares, viel Schmerz, Umsturz, aber auch wirtschaftlicher Aufschwung und das wichtige Kapitel im Zweiten Weltkrieg, wo die Japaner am 7. Dezember 1941 einen Überraschungsangriff auf Pearl Harbor auf Oahu starteten. Die gelebten Mythen, die Regeln von Ohana, das gelebte Kokua und der Alohaspirit findet man auch noch ausserhalb der touristischen Hotspots. Und auch heute ist vereinzelt der Wunsch der Hawaiianer nach Unabhängigkeit und teilweise nach der Rückkehr von der Monarchie zu spüren: Ein Zeichen für diesen stillen Protest ist die Flagge, die auf dem Kopf gehisst wird. Hier findest du eine gelungene Zusammenfassung. (3) Hier findest du eine Auswahl von Mythen. Es ist auch eine wunderbare Website, falls du einen Hawaiiurlaub planen möchtest. (4) Ohana bedeutet familiärer Zusammenhalt. Denn die Ohana ist das größte Gut, was wir besitzen. Auch heute noch. Ohana ist nicht nur Deine blutsverwandte Familie, sondern vielmehr die Menschen, die Dir das Gefühl von Familie geben. Das können Freunde, Verwandte, Bekannte, aber auch Nachbarn oder Arbeitskollegen sein. Alles ist Ohana, was Du in Deiner Ohana haben möchtest. Es beinhaltet aber auch Verhaltensregeln und klare Grenzen, wer zu Ohana gehört und wer eben nicht. 63. Blogbeitrag
In meinem 60. Blogbeitrag versprach ich, darüber zu schreiben, was uns leiden lässt und wie wir das ändern könnten. Ich gehe dabei nota bene von durchschnittlichen Lebensumständen aus und klammere alles Extreme hiermit aus. Ich habe zwei Lösungsanregungen für dich: 1. Mir hilft die gelebte Achtsamkeit am besten zu Erkennen, was mich leiden lässt und weshalb: Wenn man sich liebevoll um sein Leiden kümmert und versteht, weshalb man leidet, kann man es ändern oder akzeptieren (falls es nicht veränderbar ist). Ignorieren nützt nichts und man muss schon nach der Ursache suchen wollen. Das macht es für mich zu einem sehr individueller Ansatz. Ich erwähnte ihn schon in den Blogbeiträgen 28 und 30. Ich werde das Prinzip in einem späteren Blog näher erläutern. 2. Es gibt einen ähnlichen allgemeineren Ansatz in der buddhistischen Philosophie, der auch für Nichtbuddhisten wie mich im Grundsatz ansprechend und plausibel klingt. Es geht um den Begriff der edlen vier Wahrheiten, die Buddha aufstellte, um sich vom Leid zu befreien. Die Lösung für beide Ansätze lautet meines Erachtens: Mit sich im Reinen sein. Du könntest bereits damit aufhören, weiterzulesen……aber vielleicht interessiert es dich, wie sich das alles zusammensetzt…..es lohnt sich weiterzulesen – versprochen! Der Leidensgrund liegt für die meisten Buddhistischen Schulen im Nichtwissen. Nichtwissen um die Verbundenheit aller Dinge führe zu falschen Wahrnehmungen und falschem Handeln, was zu leidvollen Erfahrungen führe. Eine dieser falschen Wahrnehmungen sei die Identifikation eines Egos bzw. Selbst mit Gegenständen der materiellen Welt. Buddha meinte offenbar, dass die wahre Ursache unseres Leidens die Verwirrung in Bezug darauf ist, wie wir existieren. Es handelt sich nicht nur um ein allgemeines Leiden, sondern die Frustration daran, dass die eigenen begrifflichen Projektionen nicht stimmen. Sigmund Freud schrieb zu Projektionen: „Projektion ist das Verfolgen eigener Wünsche in anderen.“ Das ist ein sehr interessantes Thema für sich, weshalb ich dem eine eigene Fussnote widmen möchte (1). Du kannst diese Fussnote auch gerne zuerst lesen, bevor es weitergeht: Auch im buddhistischen Kontext sind Projektionen ein Problem: Wir projizieren zahlreiche Dinge auf uns selbst, auf andere Menschen, auf Situationen, welche nur in unserem eigenen Kopf existieren. Weit verbreitet ist die Projektion, dass sich die Welt um jeden Einzelnen von uns zu drehen hat. Weil wir dann glauben, dass das der Realität entspricht, schaffen wir immer mehr Leiden und Probleme für uns selbst und logischerweie auch für andere. Dies sei auch laut Buddhismus die Ursache für Leiden, die Ursache unserer Probleme und die Ursache der Probleme aller: Unsere Projektionen von etwas, das in Wirklichkeit nicht existiert – nur in unseren Köpfen. Wenn wir unsere eigenen Probleme und unser eigenes Leiden loswerden und Befreiung erreichen wollen, müssen wir damit aufhören, an das zu glauben, was wir da unentwegt Falsches projizieren (2). Würden wir alle sofort damit aufhören, uns selber als das Allerwichtigste auf dieser Welt wahrzunehmen und damit aufhören, all unsere Bedürfnisse auf andere übertragen zu wollen, würde eine Menge Leid auf einen Schlag wegfallen - bei uns allen. Aber es ist ausgesprochen schwierig, zwischen Projektion und Realität zu unterscheiden, weil sich die Projektion so real anfühlt, und nicht nur das – wir reagieren auch sehr emotional darauf. Genau so wie das Gegenüber! Das braucht viel Übung, um das bei anderen und bei sich selber zu erkennen und abzustellen. Bevor du weiterliest: Nimm dir doch die Zeit, um darüber nachzudenken, welche fiktiven Projektionen dich bestimmen und welche dich leiden lassen? Was existiert womöglich nur in deinem Kopf? Und stell dir nun vor, welche fiktiven Projektionen Andere auf dich übertragen, welche weder deiner Wahrnehmung noch der Realität entsprechen. Das existiert womöglich nur in deren Köpfen. Unglaublich spannend nicht wahr? Spürst du auch gerade das unglaubliche Konfliktpotential nur wegen Projektionen allein? Durch diese Erkenntnis haben wir bereits ein wichtiges Lösungspuzzle in der Hand. Verstehen ist der erste wichtige Schritt. Drum gehts weiter mit dem Leidensbegriff im buddhistischen engeren Sinne: Laut Buddha gibt es drei Formen von Leiden (genannt «dukkha» (3)): Die erste Form ist körperlicher und geistiger Schmerz, der durch die unvermeidlichen existentiellen Tatsachen des Menschseins wie Alter, Krankheit und Tod verursacht wird, die das Leben mit sich bringt. Die zweite Form ist das Leid, das wir aufgrund von Unbeständigkeit und Veränderung empfinden, wie der Schmerz, nicht zu bekommen, was wir wollen und zu verlieren, was uns lieb und teuer ist. Die dritte Form ist ein existenzielles Leiden. Es geht um die Angst, ein verkörpertes und sterbliches Wesen zu sein, das der Bedingtheit der Existenz unterworfen ist, d.h. das Leben nie ganz unter Kontrolle zu haben. Was sind nun die edlen vier Wahrheiten? Es ist ein Lösungsansatz, um das Leiden zu beenden: Buddha glaubte, dass die Wurzel aller Leidensformen das Verlangen oder die Anhaftung sei. Er nannte dies die erste edle Wahrheit. Wenn du das mal gedanklich bei dir durchdenkst, stellst du wahrscheinlich auch fest, das an diesem Gedanken etwas dran sein könnte. Er hat u.a. auch mit den bereits erwähnten fiktiven Projektionen in unseren Köpfen zu tun. Die zweite edle Wahrheit besagt, dass genau dieses Greifen oder Vermeiden die Quelle von Leid ist. Bestimmt hast du auch schon einmal erfahren, dass das Stillen unseres Verlangens lediglich eine momentane Erleichterung oder vorübergehende Befriedigung bietet. Was wir begehren, ist nie genug und hält nie an. Wenn ich bedenke, dass ich über 100 Paar Schuhe besitze und immer noch Outfits habe ohne passenden Schuhe, dann liegt das ganz bestimmt nicht an den Outfits :-). Die dritte edle Wahrheit besagt, dass es einen anderen Weg gibt, das Leiden zu beenden. Dieser Weg besteht, wie in der vierten edlen Wahrheit erklärt wird, in der Praxis des achtfachen Pfades (rechte Ansicht, rechte Entschlossenheit, rechte Sprache, rechte Handlung, rechtes Leben, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit und rechte Meditation). Buddha meinte, dass man durch das Praktizieren des achtfachen Pfades eine Form der Zufriedenheit erlangen können, die nicht von äusseren Objekten oder Ereignissen in unserem Leben abhängig ist, sondern aus einem kultivierten Geisteszustand hervorgeht, der sich nicht verändert, wenn sich die Umstände ändern. Selbst körperliche Schmerzen sollen durch die Bewusstheit eines kultivierten Geistes als weniger belastend empfunden werden. Man lernt quasi mit den Wellen zu surfen und kämpft nicht mehr gegen sie an. Die Lehre der vier Aufgaben (vier edle Wahrheiten) besagt also, dass uns die Mittel immer zur Verfügung stehen, um Befreiung von unserem Leiden zu finden. Ich kann dir keine Tipps zur Umsetzung des achtfachen Pfades geben, das ist individuell. Aber ich kann dir auch da ein tolles Fazit liefern: Der mittlere Pfad ist auch ein Synonym für diesen edlen achtfachen Pfad: Im weiteren Sinne wird er im Buddhismus als Grundsatz verstanden, Extreme zu meiden. Der mittlere Weg wird unter anderem mit dem Gleichnis einer Saite eines Musikinstrumentes beschrieben. Ist sie zu wenig gespannt, entsteht kein schöner Klang. Ist sie zu stark gespannt, kann sie reissen. Nur wenn eine Saite die geeignete Spannung zwischen den Extremen hat, kann sie einen schönen Klang erzeugen. Mir gefällt die gedankliche Herleitung der edlen vier Wahrheiten. Mir gefällt auch der Hinweis und die Auseinandersetzung mit eigenen und fremden fiktiven Projektionen. Ich picke mir aus diesem buddhistischen Ansatz heraus, was ich gut umsetzen kann: Ich versuche, Extreme zu vermeiden, eigene und fremde fiktive Projektionen zu entlarven und weniger abhängig von meinem Verlangen zu sein. Wie man Leiden überwindet, muss jede/r selber wissen und herausfinden. Ich stelle allerdings leider auch immer wieder fest, dass einige Menschen ihr Leiden nicht überwinden können oder wollen. Einige definieren ihr Leben oder auch sich selber sogar über ihr Leiden. Das macht mich sehr traurig. Natürlich kann es immer wieder zu extremen Lebensumständen oder Verletzungen kommen, die alles erschweren. Aber ich gehe in meinem Artikel hier von durchschnittlichen Lebensumständen aus. Bedauerlicherweise verschwindet das Leiden nicht von selbst. Um es zu überwinden, muss man sich damit auseinandersetzen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Am Ende bleibt es jedem selber überlassen, ob und wie man damit umgehen möchte. Es besteht allerdingst auch immer die Möglichkeit, sich helfen zu lassen, falls man selber nicht mehr weiterkommt. Es gibt zahlreiche Unterstützung im Internet. Nur Mut, denn die Auseinandersetzung mit seinem Leiden ist zugleich auch der Weg zu sich selber, um mit sich ins Reine zu kommen. Dann stehen die Chancen nicht schlecht, das Leiden aus dem Schatten seiner Selbst zu befreien und endlich zu beenden. Fussnoten: (1) Eine spannende Definition zu Projektionen im psychologischen Sinne habe ich aus dem Lexikon der Psychologie entnommen: "Projektion, ein zentraler Abwehrmechanismus, das unbewusste Übertragungen von Affekten und Impulsen auf ein Gegenüber. Anteile des eigenen Selbst werden in einer mit Affekten und Wünschen einhergehenden Interaktion dem Interaktionspartner unterstellt – in der festen Überzeugung, dieser sei so, wie man ihn wahrnehme. Die Projektion dient aus Sicht der Psychoanalyse der Abwehr von Angst und der Aufrechterhaltung des Selbstbildes: Nicht ich selbst habe manipulierende Absichten, sondern mein Gegenüber und Interaktionspartner. Projektionen sind häufig der Grund für dauerhafte Konflikte in sozialen Beziehungen. Projektion steht im Gegensatz zum Mechanismus der Externalisierung: Externalisierung bedeutet, jemanden vorübergehend für das eigene momentane Missgeschick verantwortlich zu machen, dann aber allmählich zu verstehen, daß dies der Entlastung des eigenen Selbstwertproblems dient. Bei Projektion geht es nicht um eine Reaktion auf einen ärgerlichen Vorfall und um die fehlende Übernahme von Verantwortung, sondern um die Abwehr eines inneren Triebimpulses oder Affekts, dessen Zuordnung zum eigenen Selbst Angst und Schuldgefühle nach sich ziehen würde. Der zunächst bei der Wahrnehmung anderer Personen vor allem zu Beginn einer Beziehung, bei noch nicht vorhandener Vertrautheit, unumgängliche Anteil von Projektion (auch: Vorausurteile) weicht schrittweise. Bei Persistenz der Vorausurteile kommt es zur Verfestigung und zu Vorurteilen, die dann als Aufhänger für Projektionen dienen müssen.". Quelle: https://www.spektrum.de (2) Ein sehr empfehlenswerter und verständlicher Artikel über Projektionen im buddhistischen Sinne: https://studybuddhism.com (3) Quelle: https://buddhastiftung.org Das Wort dukkha, welches gewöhnlich mit “Leiden” übersetzt wird, hat eine weitaus subtilere Bandbreite von Bedeutungen. Manchmal wird dukkha metaphorisch als ein Rad beschrieben, das unrund läuft. Eine wörtlichere Übersetzung der ersten edlen Wahrheit könnte lauten: “Das Leben ist nicht dauerhaft befriedigend oder wird als ungenügend empfunden.” 62. Blogbeitrag
Ich hatte soeben das grosse Privileg, Hawaii mit eigenen Sinnen zu erleben. Am liebsten würde ich all meine wunderschönen Erfahrungen und Gedanken mit dir teilen. Es wäre zuviel des Guten. Darum picke ich eines heraus: Ich genoss es sehr, entlang des farbenprächtigen und berauschenden Meeres schlendernd dem spielerischen Wellentanz des Ozeans zuschauen zu dürfen. Selbst der fiktive Vulkanier Spock aus der TV-Serie Raumschiff Enterprise wäre fasziniert gewesen. Fasziniert auch von Wellen im engeren Sinne. Was sind Wellen? Darunter kannst du dir eine Störung in einem Medium vorstellen, die sich mit einer festen Form und konstanter Geschwindigkeit fortbewegt. Wellen sind ein essenzieller Bestandteil des menschlichen Lebens: Vom Licht, das du zum Sehen brauchst, zum Schall, das du zum Hören brauchst, bis hin zum Internetsignal, das du zum Surfen im Internet brauchst, alles sind Wellen. Auch im einem höheren Sinne verlieren sie keineswegs ihre Faszination: Der Achtsamkeitsmönch Thich Nhat Hanh hat sie als Beispiel fürs Intersein (siehe Blog 49) gebraucht mit einer schönen Metapher einer Welle im Ozean. Die Metapher besagt, dass Erleuchtung erreicht wird, wenn eine Welle - ein individuelles Bewusstsein - erkennt, dass sie Teil des grösseren Ganzen ist, nämlich des Ozeans. Nicht suchen, sondern erkennen! Wenn wir erkennen, dass wir nicht getrennt von unserer Umgebung oder anderen Lebewesen existieren, sondern dass wir alle miteinander irgendwie verbunden sind, dann erreichen wir seines Erachtens eine tiefere Ebene des Bewusstseins. Wir sollen also nicht irgendwo oder bei irgendwem nach Sinn und Erleuchtung suchen. Wir müssen sie nur in uns selber erkennen? Tönt gut. Vielleicht zu gut? Wenn du Lust auf eine etwas verspieltere Version einer ähnlichen Metapher hast, dann schau die den Disney Film "Soul" aus dem Jahre 2020 an. Er erzählt die Geschichte eines Jazzpianisten, der auf der Suche seines Lebensziels vergisst, was wirklich zählt. Über Umwege in eine Welt zwischen dem Hier- und Jenseits realisiert der suchende Musiker am Ende, dass der Sinn nicht in der Erfüllung eines Lebenstraums ist, sondern dass das Realisieren des wundersamen Lebens selber die Erfüllung ist (siehe auch Blog 60). Der Film nutzt als Metapher nicht die obig genannte Welle, sondern einen Fisch im Wasser, dessen Traum der Ozean ist, bis ihm klar wird, dass er dort schon längst ist. Das bedeutete, dass wir alles bereits haben, was wir brauchen. Wir müssen es nur für uns erkennen! Wunderschöne Gedanken, nicht wahr? 61. Blogbeitrag
Erst mal ein paar spannende Fakten zum Wasser: Wusstest du, dass die Wassermenge auf der Erde immer gleich bleibt – ganz egal, wie viel wir davon verbrauchen? Ist das nicht faszinierend? Grund dafür ist der Wasserkreislauf: Durch Niederschlag kommt Wasser auf den Boden, von dort fliesst es ab und versickert. Durch die Wärme der Sonne verdunstet das Wasser wieder und bildet Regenwolken – so beginnt der Kreislauf von vorne. Die Oberfläche der Erde ist zu etwa zwei Dritteln mit Wasser bedeckt. Alle Wasservorräte der Welt fassen insgesamt etwa 1,4 Milliarden Kubikkilometer Wasser. Der Grossteil davon besteht aus Salzwasser (97,5 Prozent) und fliesst in unseren Meeren und Ozeanen. Wirklich zugänglich ist für uns Menschen nur ein kleiner Teil der Süsswasserreserven in Seen, Flüssen und Talsperren: nämlich 0,3 Prozent. Wie gut, dass die Gesamt-Wasser-Menge auf der Welt nicht aufgebraucht werden kann. Was sich aber durchaus verringern kann, ist die Menge nutzbaren Wassers. Angesichts der Herausforderungen kann leicht vergessen gehen, welche wunderbaren sinnliche Aspekte Wasser hat. Damit meine ich nicht nur Schaumbäder und Strandurlaube. Ganz im Gegenteil. Eigentlich sollten wir uns über die Regentage ebenso freuen wie über die Sonnentage. Und das nicht nur angesichts des Klimawandels. Sondern weil es ein schönes Privileg ist, den Kreislauf des Wassers hautnah miterleben zu dürfen. In Literatur und Film ist Regen ein immer wiederkehrendes Thema. Ein grandioses Beispiel ist Gene Kellys Performance im Film "Singing in the rain". Der Klang des Regens hat ausserdem zahlreiche Musikstücke inspiriert. Erinnere dich an das wunderbare Musikstück "Purple Rain" von Prince. Die Faszination für den Regen nennt sich übrigens Pluviophilie. Pluviophilie? Jetzt würden sich die Lateinstunden auszahlen - hätte ich je welche gehabt. Pluviophilie tönt für mich vom Klang her eher wie eine Phobie. Tatsächlich habe ich ein wetterbedingtes Unbehagen genannt Astraphobie, denn ich mag keine Blitze, wenn ich im Freien stehe. Andere Schlechtwetterphobien wie Brontophobie oder Ceraunophobie (hä?) kenn ich gottlob ebenswenig wie jene lateinische Bezeichnungen. Was dass denn für Phobien seien fragst du? Nun, nach nach dem Blitz folgt der Donner. Und Leute mit solchen Phobien fürchten dieses ohrenbetäubende Gepolter. Gottlob gibt es für solche Fälle aufbauende Schweizer Songs wie der Klassiker "Nachem Räge schiint d'Sunne...". Aber ich schweife ab. Bitte entschuldige! Zurück zum Unwort Pluviophilie. Ich kannte diese lateinische Bezeichung vorher nicht. Es setzt sich zusammen aus dem lateinischen Wort „Pluvial“ für „Regen“ und der altgriechischen Endung “Philia” für Freundschaft, Liebe oder Zuneigung. Pluviophil ist, wer Regen liebt und an regnerischen Tagen gut drauf ist....und natürlich idealerweise nicht unter Astra-, Bronto- oder Ceraunophobie leidet. Jetzt frag ich mich grad spontan, wie denn Blitzliebhabende heissen? Wohl Astraphile? (Googelpause). Bingo. Aber ich schweife schon wieder ab. Pluviophile Menschen empfinden bei Regen offenbar ein enormes sensorisches Vergnügen. Auch der Geruch, der nach dem Regen zurückbleibt, ist ganz besonders. Der Geruch der Erde nach dem Regen nennt sich Petrichor. Er löst bei Regenliebhabern Freude und ein Freiheitsgefühl aus. Keine Bange, dieses Wort lasse ich unkommentiert. Pluviophilie lässt mich als Begriff noch immer unberührt - aber ich hätte grosse Lust, Regen auf die beschriebene Art achtsam wahrzunehmen. Beim nächsten Regenschauer lass ich vielleicht meinen Regenschirm bewusst daheim, suche mir die nächste Regenpfütze, singe in the rain und geniesse jede Sekunde davon. Ausser wenns blitzt und heftig donnert.... Dann geh ich lieber unter meine Dusche, singe in the shower und schweife gedanklich ganz bewusst genussvoll ab :-) 60. Blogbeitrag
So viele Menschen suchen danach. So viele Menschen sehnen sich nach einer klaren Antwort und so viele Menschen scheitern genau daran. Ich denke, ich weiss weshalb das so ist. Wer erst einen Sinn seines Lebens suchen muss, sucht vielleicht zu weit oder stellt sich die falsche Frage. Ich erlebe häufig in Diskussionen, dass es bei der Sinnesfrage nach einer zweckgerichteten Bedeutung oder nach einem angestrebten Ziel geht. Viele wollen begreifen, worin die eigene Bestimmung im universellen Gesamtkontext liegt. Andere suchen in der Antwort ihr Verhältnis zu einem angenommenen Schöpfer. Nun, ich glaube nicht, dass diese Fragen erfüllende Antworten generieren, um seinem Leben einen Sinn zu geben. Man kann sich auch die Frage stellen, ob eine befriedigende Antwort überhaupt möglich ist. Günther Anders hat dazu geschrieben: „Warum setzen Sie eigentlich voraus, dass ein Leben, ausser da zu sein, auch noch etwas haben müsste oder auch nur könnte – eben das, was Sie Sinn nennen?“ (1). So viele Menschen scheinen sich in der verzweifelten Suche nach dem Lebenssinn zu verlieren und übersehen dabei meines Erachtens das Wesentlichste: Wie wäre es denn, wenn der Sinn des Lebens das Leben selber ist? Der Spruch auf dem Beitragsbild finde ich daher recht passend und für meinen Geschmack sehr humorvoll - trotz Ernsthaftigkeit des Themas. Wenn man auch nach seinen Wertvorstellungen leben darf, dürfte man sich sogar neben erfüllend auch noch glücklich schätzen. Auf alle Fälle erlebe ich das so. Wer das Leben als solches nicht zu schätzen weiss, findet wahrscheinlich kaum eine befriedigende Antwort in allen weiterführenden Sinnfragen. Wem dieser mögliche Lösungsansatz zu wenig ist oder keine befriedigende Antworten findet, stellt sich womöglich die falsche Frage. Vielleicht geht es dann weniger um die Sinnesfrage als um die Frage, was uns leiden lässt und wie wir das ändern könnten. Im Blog 63 werde ich auf einen möglichen Lösungsansatz eingehen. Du musst dich also noch drei Wochen lang gedulden. Aber das ist bestimmt nicht der einzige Weg. Wer sucht, der findet. Auch Lösungen. Auch sich selber. Und wer trotz all dem Leiden den Moment geniessen kann, der lebt! Und der hat das meines Erachtens das Wichtigste bereits gefunden :-). 1 Quelle: Günther Anders: Die Antiquiertheit des Menschen. Band II, C. H. Beck, München 1980, ISBN 3-406-47645-7, Kapitel Die Antiquiertheit des Sinns, S. 369: Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution. 59. Blogbeitrag
Reinhard Mey gehört zu den bekanntesten deutschen Liedermachern. Mit seinem Lied "Über den Wolken" wurde er 1974 in Deutschland berühmt. Da war ich gerade mal ein Jahr alt. Die Sehnsucht nach dem Fliegen, die im Lied beschrieben wird, ist damit zu erklären, dass Reinhard Mey selber Sportmaschinen flog. Sie ist mit Themen wie "Innerer Frieden" und auch "persönliche Freiheit" verknüpft. Das Überwinden von Ängsten und Sorgen, die Sehnsucht nach der „Leichtigkeit des Seins“ schwingt mit, wenn Mey seine Eindrücke auf einem kleinen Flughafen beschreibt und einem Flieger beim Abheben zusieht. Ich kann diese Begeisterung nur im physikalischen Sinne teilen: Auf ein Flugzeug wirken im Prinzip vier physikalische Kräfte ein: Die Schwerkraft zieht es nach unten, der Auftrieb wirkt nach oben und hält das Flugzeug in der Luft. Der Vortrieb bewegt das Flugzeug vorwärts, der Widerstand bremst es. Ist der Auftrieb grösser als die Schwerkraft ist, hebt das Flugzeug ab. Und doch ist es irgendwie unglaublich, dass das schwere Ding sich in der Luft halten kann. Nun gut. Wenn ich allerdings selber in einem Flugzeug sitze, verflüchtigt sich diese Begeisterung. Von Leichtigkeit kann keine Rede sein. Dabei steigt mehr als Ehrfurcht in mir hoch und es bilden sich Ängste und Sorgen. Der Gedanke, keine Kontrolle über den Verlauf des Fluges zu haben, missfällt mir. Fliegen ist eine gute Übung, um loszulassen und sich achtsam um die Angst zu kümmern (siehe Blog 55 zum Thema Atemtechnik). Das Unbehagen umarme ich dann ganz ganz doll und liebevoll. Und doch: Ich bin froh, wenn ich wieder sicheren Boden unter den Füssen habe. Etwas Gutes haben Flüge an sich: Sie bringen dich rasch an ferne Orte. Naja, mir bleibt wohl auch nichts anderes übrig. Denn ich habe das Glück, sowohl San Francisco als auch Hawaii zu besuchen und schon in ein paar Tagen gehts los! Da nehme ich die unbehaglichen Gefühle gerne in Kauf. In Anbetracht der langen Flugdauer hätte ich genug Zeit, dieser leichten Form von Flugangst auf den Zahn zu fühlen (sofern ich Lust dazu verspüre oder der Leidensdruck zu hoch würde). Ich könnte allerdings auch erst mal schauen, was für ein ablenkendes Entertainmentprogramm im Angebot ist :-). Es wird schon alles gut gehen und ich freue mich bereits auf die vielen einzigartigen Momente an einem ganz anderen Ort auf dieser wunderbaren Erde. Meine Flugangst schicke ich nach der Landung direkt in den Urlaub. Sie ist noch immer eine verlässliche Begleiterin und dürfte auch dieses Mal pünktlich zum Heimflug zu mir zurückkehren.... 58. Blogbeitrag
100 Jahre Badenfahrt: WOW! Was für ein berauschendes Fest! Ein regionaler Meilenstein! Völlig ungezwungenes Beisammensein! So viele tolle Menschen zelebrierten das Glücklichsein! Ich hatte sogar das grosse Vergnügen, zweimalig in verschiedenen Perspektiven das Fest geniessen zu können (das durfte ich schon einmal erleben und festhalten im Blog 21). An der heissbegehrten 100-jährigen Badenfahrt wollen einfach alle irgendwie dabei sein. Mit Unterstützung der genialen Grand Casino Baden Joy "Afterwork-Clique" ergatterte ich für unsere Band sogar einen heissbegehrten Auftrittsslot am Fest. Trotz hochsommerlichen Temperaturen heizten wir den Zuschauenden mit unserem Groove ordentlich ein. Das Publikum dankte es mit tosendem Applaus und Begeisterung. Glückseligkeit pur! Tags darauf erlebte ich das Fest als Besucherin. Mir hatte es besonders die bezaubernde Promenade entlang der Limmat angetan. Ein cooler Ort für Hitzetage. Die emsigen Vereine sorgten für kurzweilige Augenblicke und verführten die Sinne mit ihrer kulinarischen Vielfalt. Zahlreiche Besuchende schlenderten gutgelaunt und entspannt den inspirierenden Vereinsbauten entlang. Es war berauschend und beglückend zugleich. Ich war sicher nicht die Einzige, die jede Minute hinsichtlich der vergangenen belastenden Pandemiejahre besonders bewusst genoss. Es war ein Baden im Glück in fast jeglichem Sinne des Wortes: Es fehlte noch ein beherzter Sprung ins kühlende Nass. Doch ich bevorzugte das heisse Bad in der Festmenge. Hoffentlich bleibt es so! 57. Blogbeitrag
Hinter dem genialen Erstlingswerk «The Matrix» steckt mehr als bloss eine clevere Geschichte. Höhepunkt der Reihe bleibt der erste Blockbuster der Geschwister Wachowski aus dem Jahr 1999, der mit philosophischen und theologischen Andeutungen gespickt ist. Das zentrale Motiv ist die Frage: Was ist Wahrheit? Können wir unserer Wahrnehmung trauen? Unterliegt die menschliche Erkenntnis Täuschungen? Was kann ich wissen? Nun, hierfür müssen wir zurück in die Vergangenheit reisen: Platon greift diese Fragen erstmals auf. Er wurde um etwa 428 vor Christus in Athen geboren. Seine Ausbildung als Philosoph erhielt Platon von Sokrates. Aristoteles wurde zu seinem Schüler. Platon beeinflusste grosse Denker nach ihm wie beispielsweise auch Immanuel Kant (siehe u.a. Blog 11). Platon gilt als der Urvater des Idealismus, der grob besagt, dass der Geist des Menschen die Welt beeinflusst. Die Grundaussage von Platons Philosophie lautet wie folgt: Alles was es gibt, basiert auf einer Idee und so muss es zwei Welten geben. Die eine Welt ist die normale Welt, in der wir uns alle gerade befinden. Die andere Welt ist die der Ideen. Jedes Lebewesen und jeder Gegenstand hat eine entsprechende Idee in dieser Welt. Platon illustriert das in seinem Höhengleichnis. In einer Höhle sitzen ein paar gefesselte Menschen. Ihre einzige Lichtquelle ist ein Feuer, das hinter ihnen brennt und Licht auf die Höhlenwand vor ihnen wirft. Nun werden Gegenstände an diesem Feuer vorbeigetragen. Dadurch bildet sich der Schatten der Gegenstände auf der Höhlenwand. Diese Schatten sind alles, was diese Menschen bisher sahen. Als sich einer der Gefangenen aus der Höhle befreien kann, sieht er erstmals die wahre Welt. Er erkennt, wie die Schatten sich an die Höhlenwand bildeten und erkennt die wahren Gegenstände, welche diese Schatten erzeugten. Beflügelt von seiner Entdeckung rennt der Befreite zurück in die Höhle und berichtet, dass sie immer nur die Schatten von richtigen Gegenständen gesehen haben. Die anderen Menschen glauben ihm nicht, weil sie sich das mangels Erfahrung nicht vorstellen können. Als er weiterhin darauf besteht, die Wahrheit gesehen zu haben, bringen ihn die anderen schliesslich um. Die Menschen in der Höhle sehen nach Platon die Dinge nicht so, wie sie wirklich sind. Sie sehen nur Abbilder. Womöglich sehen auch wir nur die Abbilder aller Dinge und nicht wie sie wirklich sind? Zumindest sehen wir sie so, wie wir sie sehen WOLLEN. Wer den fantastischen Film Matrix gesehen hat, sieht die Parallelen: Wie beim Aufstieg aus Platons Höhle ist auch die Konfrontation des Hauptdarstellers namens Neo mit der Realität zunächst schmerzhaft. Neo wird vor die Wahl gestellt, eine blaue oder eine rote Pille zu schlucken. Nimmt er die blaue, geht es für ihn zurück in seine heile Welt, die nicht der Realität entspricht. Die rote Pille bewirkt das genaue Gegenteil und befreit ihn aus der Illusion. Mit ihr besteht also die Möglichkeit, die Wahrheit über die Traumwelt "Matrix" zu erfahren. Neo entscheidet sich bewusst für die reale Welt und gegen ein Leben in der Matrix. Er will sein Leben in Freiheit und nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten. Doch Neo erkennt, dass die meisten Menschen – ähnlich wie Platons Höhlenbewohner – nicht bereit sind für die Wahrheit und sich nicht von der "Matrix" trennen wollen. Für sie ist es wohltuender, in der eigenen Illusion zu leben. Jedem das Seine. Welche Pille hättest du genommen? Bestimmt muss ich dir nicht mehr verraten, welche Pille ich wählte. Aber jetzt geh ich mir erst mal den Film Matrix anschauen. Das geht ganz leicht: Lade meine kostenlose App hier runter oder klicke auf den unteren QR-Code. In meiner App kannst du dir meine neuesten Blogbeiträge unterwegs bequem angucken. Ausserdem vereinfacht es unsere Kontaktaufnahme und meine Rose als Icon für diesen Blog verschönert garantiert jedes Handydisplay :-). Jedes Mal, wenn du sie erblickst, könntest du dir eine achtsame Atempause gönnen und dir dabei vorstellen, wie wunderbar Rosen duften können :-). Noch etwas: Ich mag auch in der Dreidimensionalität kein Gedrängle und Geschubse drum bekommst du auch niemals Push-Nachrichten auf meiner App. Wenn du allerdings selber immer auf dem aktuellsten Stand meiner Veröffentlichungen bleiben möchtest, dann kannst du meine Website 1x wöchentlich besuchen. Oder aber du kannst dir fürs Handy einen gängigen RSS-Reader wie bsp. "Feeder" runterladen. Dort kannst du alle voreingestellten Feeds mal vorerst löschen und selber wählen, worüber du sonst noch informiert werden willst. Das geht ganz einfach: Du wählst einen neuen Feed trägst (m)einen RSS-Link ein: https://ruthimholz.ch/1. Dann nur noch bei den Einstellungen der RSS-App die Benachrichtigungen einschalten. Willst du dasselbe auf dem PC, kommts darauf an, mit wem du gerne surfen gehst. Bei den verschiedenen Browsern musst du individuell bei den Add-ons nach RSS-Readern suchen. Auch dort müsstest du meinen RSS-Link eingeben: https://ruthimholz.ch/1 Ich freue mich darauf, dich wöchentlich inspirieren zu dürfen. Wenn du magst mit Reminder - Dankeschön! 56. Blogbeitrag
Immer mehr Menschen leiden an der Volkskrankheit Demenz. Forscher suchen deshalb nach neuen Methoden, den Verfall des Gehirns aufzuhalten. Eine davon: Der sogenannte „Brain Freeze“. Hier sei man laut Bericht im Focus vom 10.4.23 bereits bei klinischen Studien. Kleiner Hinweis an dieser Stelle: Demenz ist für Betroffene und Angehörige gleichermassen eine riesige Herausforderung. Ich wünsche allen Involvierten viel Kraft. Mein Bericht möchte allerdings auf etwas anderes hinweisen... ...denn trotz Ernsthaftigkeit des Themas musste ich beim Lesen des Artikels schmuntzeln: Ich leide gottlob nicht unter Demenz, aber als zerstreute Person bin ich sehr vergesslich. Ausserdem mag ich Eis und das löst bei mir sofort diesen erwähnten "Brain Freeze" aus. Wenn ich meine Vergesslichkeit mit dem Konsum von Eis verringern könnte wäre das wunderbar. Allerdings mag ich auch meine Vergesslichkeit. Und zwar mag ich es noch lieber als Eis. Und weisst du warum? Ich vergesse nicht nur Nützliches rasch, sondern auch negative Erfahrungen. Und das macht meine liebgewonnene Vergessenheit zu einer wichtigen Verbündeten meines Seelenheils und zur wichtigen Resilienzstütze. Darum ist meine Vergesslichkeit ist ein wahrer Segen für mich! Doch das steckt noch mehr dahinter. Ich kenne fast keine meiner Schwächen, die nicht auch eine starke Seite hat (et vice versa) und so mag ich auf keines der beiden Seiten verzichten. Ich klammere krankhafte oder krankeitsbedingte Eigenschaften (wie eben die Demenz) an dieser Stelle aus und beziehe mich auf die gängigen Charaktereigenschaften, die bei den meisten Menschen vorhanden sind. Ich bin zum Beispiel sehr empathisch und finde rasch den Zugang zu Menschen. Aber das macht mich auch mitfühlsamer mit allen positiven und negativen Facetten. Dennoch möchte ich nie auf diese wunderbare Eigenschaft verzichten. Beide Komponenten der Empathie machen mich aus. Bevor ichs vergesse, möchte ich dich zu folgendem Tipp inspirieren: Schau doch mal bei dir selber nach. Ich bin davon überzeugt, dass auch du Schwächen findest, die du liebgewinnen wirst, wenn du sie in positiver Eigenschaft bei deinen Stärken wiedererkennst und entdeckst, wie die beiden miteinander zusammenhängen. Quelle: Artikel im Focus.de |
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