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187. Blogbeitrag
Singen ist eines meiner Lieblingshobby und ich geniessen die wöchentlichen Übungssessions mit meiner Band Grooveline sehr. Die Frage, wie der Mensch zum Singen gekommen ist, fasziniert mich daher persönlich sehr. Es ist spannend zu überlegen, dass das Singen vermutlich eine uralte Praxis ist, die sich im Laufe der Menschheitsgeschichte aus verschiedenen Gründen entwickelt hat. Evolutionär gesehen könnte es dazu gedient haben, soziale Bindungen zu stärken oder Partner anzuziehen. Vielleicht hat das sogenannte "Vocal Learning" – also die Fähigkeit, Klänge nachzuahmen – eine wichtige Rolle gespielt und sich aus frühen Kommunikationsformen heraus entwickelt. Auch die Idee, dass Singen aus natürlichen Lauten wie Schreien oder Jauchzen entstanden ist, finde ich sehr naheliegend. Archäologische Funde wie prähistorische Flöten zeigen, dass Musik und Gesang schon vor Tausenden von Jahren Teil unserer Kultur waren. Zudem hat Singen in vielen Kulturen eine tiefe Verbindung zu religiösen Ritualen und spirituellen Erfahrungen. Für mich beinhaltet das Singen auch noch eine psychologische Komponente des emotionalen Ventils. Wenn ich innbrünstig singe, dann fühle ich mich danach immer besser. Manchmal ist es sogar die einzige Form, um etwas loszuwerden ohne Konsequenzen. Und manchmal ist es der einzige Seelentröster. Es ist befreiend, reinigend und für mich absolut unverzichtbar geworden. Hoffentlich bleibt mir diese wunderbare Art des Mitteilens möglichst lange erhalten. Und hoffentlich erkenne ich rechtzeitig den Moment, aufzuhören, bevor mein Singen sich in ein Schreien oder Jauchzen verwandeln sollte. Urteile selbst: So klinge ich im Moment am *Waldweidfest live*. Noch gefällts mir gut :-). Danke, lieber Marc Helfert für das tolle Bild.
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186. Blogbeitrag
Am Rand des weiten Birrfelds, wo die Felder im Sommer golden flimmern und im Herbst der Nebel wie ein leiser Schleier über den Wiesen liegt, liegt das Dorf Brunegg. Es ist kein Ort, der laut von sich erzählt. Brunegg ist eher ein Dorf, das flüstert – in alten Mauern, in den Wegen durch die Felder und im Schatten der Wälder am Chestenberg. Hoch über dem Dorf steht Schloss Brunegg, auf einem felsigen Sporn, als hätte es sich dort seit Jahrhunderten in den Wald hineingeschmiegt. Die Geschichte des Dorfes beginnt im Mittelalter, als die Herren der House of Habsburg in dieser Gegend Burgen errichten liessen, um ihre Wege und Ländereien zu schützen. Eine dieser Burgen war Brunegg. Um sie herum entstand langsam ein Dorf – zuerst aus wenigen Höfen, die den Wald rodeten und Felder anlegten. Die Menschen hier lebten lange im Rhythmus der Erde. Im Frühling wurde gepflügt, im Sommer geerntet, im Herbst Holz geschlagen. Über ihnen wachte die Burg, die Kriege, Herrschaftswechsel und stille Jahrhunderte überdauerte. Während im Tal Handelswege entstanden und Städte wuchsen, blieb Brunegg klein, beinahe verborgen zwischen Hügeln und Wäldern. Der Rücken des Chestenberg, der sich wie ein grüner Wall über dem Dorf erhebt, erzählt eine noch ältere Geschichte. Lange bevor das Dorf entstand, lebten hier Menschen der Bronzezeit. Sie bauten ihre Häuser auf dem Grat, beobachteten die Täler und suchten Schutz auf der Höhe. Wenn heute der Wind durch die Bäume zieht, könnte man fast meinen, er trage noch ihre Stimmen mit sich. Mit den Jahrhunderten wandelte sich Brunegg. Bauernhöfe wurden erneuert, neue Häuser entstanden, und doch blieb etwas vom alten Charakter erhalten: das Gefühl, dass hier Zeit langsamer fliesst. Die Wege führen noch immer hinauf zum Schloss, durch Waldstücke und über Wiesen, auf denen man weit über das Birrfeld blicken kann. Am Abend, wenn die Sonne hinter den Hügeln versinkt, liegt das Dorf still unter dem Schloss. Dann wird Brunegg zu dem, was es vielleicht immer gewesen ist: ein kleiner Ort zwischen Wald und Ebene, zwischen Geschichte und Gegenwart – und ein Platz, an dem man spürt, dass Landschaft und Menschen über viele Generationen miteinander verwachsen sind. 185. Blogbeitrag
Mir fällt es immer wieder auf, wie ungern viele Menschen vor anderen Menschen sprechen. Das ging mir als junge Frau nicht anders. Doch mit der Zeit habe ich für mich herausgefunden, wie ich damit umgehen soll, damit ich mich wohlfühle. In meinem neuesten Spaziersport-Video plaudere ich aus dem Nähkästchen und verrate, was man tun kann um den Stress zu reduzieren, wenn man vor Leuten etwas präsentieren muss. Als langjährige Rednerin und ehemalige Gemeindepräsidentin habe ich dermassen viel Erfahrungen gesammelt, so dass es mir schwer gefallen ist, alles auf zehn Tipps herunter zu brechen. Aber eines ist mir am Schluss des Videos einmal mehr aufgefallen. Je besser man vorbereitet ist, desto optimaler. Und dabei meine ich nicht einmal den zu präsentierenden Inhalt, sondern das ganze Drumherum. Viele Menschen empfinden beim Dozieren daher Nervosität, weil sie sich in einer ungewohnten Rolle befinden, in der sie ihre Kompetenz und ihr Wissen vor anderen präsentieren müssen. Diese Situation kann Angst vor Fehlern, Bewertung oder öffentlicher Kritik auslösen, was zu Lampenfieber führt. Auch ich litt darunter, doch mit der Zeit lernt man, damit umzugehen. Neben der Selbstverständlichkeit, dass man die Thematik und den Vortrag inhaltlich im Griff hat, habe ich zwei wichtige Dinge gelernt:
Je mehr du auftrittst, desto routinierter wirst du. Drum empfehle ich dir, auch mal an einem Geburtstag, Familienfest, unter Freunden oder selbst am Stammtisch freiwillig die «Stehaufreden» zu testen. Das ist spontan, wohlgesinntes Publikum zugegen und du gewöhnst dich an dieses Spannung, welche sich mit der Zeit auch legt. Trau dich, denn es lohnt sich nicht nur für dich, sondern auch für dein Publikum. 184. Blogbeitrag
Prokrastination bezeichnet das Verhalten, Aufgaben oder Verpflichtungen auf später zu verschieben, obwohl man weiss, dass dies negative Konsequenzen haben kann. Es ist eine Form der Aufschieberitis, die oft aus Angst vor Versagen, Überforderung oder mangelnder Motivation entsteht. Obwohl sie häufig als hinderlich und unproduktiv angesehen wird, gibt es meiner Meinung nach durchaus auch positive Aspekte, die manchmal übersehen werden. In manchen Fällen kann das bewusste Aufschieben aber auch dazu führen, dass man in der Zwischenzeit neue Perspektiven gewinnt, kreative Ideen entwickelt oder sich ausreichend Zeit für eine gründliche Planung nimmt. Ausserdem kann die Prokrastination kurzfristig Stress abbauen und dazu beitragen, die eigene Energie wieder aufzuladen, bevor man eine Aufgabe angeht. Sie bietet somit Raum für Reflexion und kann – wenn im Rahmen gehalten – auch als eine Art Pausenfunktion fungieren, die letztlich die eigene Produktivität und Kreativität fördern kann. Gut, vielleicht ist dies auch eine Art der Schönrederei – und dennoch bin ich davon überzeugt, dass (fast) alles positive und negative Seiten haben kann. Manchmal auch nur anhand eines Perspektivenwechsels. Und so kann es durchaus passieren, dass man eine Schwäche zu einer Stärke verwandeln kann. Ich meine damit in casu nicht, dass man alles aufschieben soll. Aber ab und dann kann auch die Prokrastination eine sinnvolle Taktik sein. Ebenso wie das Soforterledigen. Das kann sich ebenso positiv wie auch negativ äussern. Denn auch das «immerallessoforterledigenwollen» ist nicht immer zielführend. Idealerweise bedient man sich mehreren Taktiken und setzt sie dann ein, wenn sie am sinnvollsten sind. Bildquelle |
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